Museums-Menschen und Blaue Balkone

Cyanotypien von Alexandra Pikunova und Fotografien von Ulrich Fischer

 

 

Alexandra Pikunova präsentiert Werke aus der Serie „Der Balkon“, gefertigt in der Cyanotypie-Technik und durch eine kontrastierende freie Aquarelllinie ergänzt. Die Wahl dieser Technik war kein Zufall, wurde sie doch früher zum Kopieren von Architekturzeichnungen verwendet – für Pikunova bedeutet dies eine folgerichtige Rückkehr.

In ihren Arbeiten greift Pikunova häufig das Thema Architektur auf, „Der Balkon“ bildet da keine Ausnahme. Die Serie spiegelt die ersten Eindrücke der Künstlerin nach dem Umzug nach München wider. Balkone spielen hier eine besondere Rolle im Leben der Stadtbewohner:innen und sind oft der beliebteste Teil der Wohnung. Es ist ein Ort, an dem Menschen entspannen, essen, lesen und feiern. Und da dieser Teil der Wohnung der öffentlichste ist, verrät er viel über seine Besitzer:innen.

Besonders beeindruckend sind die Balkone brutalistischer Gebäude: Sie sind typischerweise sehr geräumig, mit massiven Strukturstützen und integrierten Betonbehältern für Pflanzen, was die Anlage ganzer Gärten ermöglicht. Darüber hinaus bestimmt diese Balkone oft vollständig die Architektur der Fassade und werden zu deren Schlüsselelement.

Pikunova untersucht Balkone sowohl aus der Sicht der architektonischen Typologie als auch aus der Sicht ihrer sozialen Rolle. Ursprünglich auf die Balkone Münchens beschränkt, erweiterte Pikunova die Serie um die Balkone des historischen Berliner Hansaviertels und den Balkon des berühmten Hotelturms in Augsburg.

Menschen im Museum sind das Thema von Ulrich Fischer. In seinen vorwiegend schwarz/weiß gehaltenen Arbeiten aus den Jahren 2022 und 2023 beobachtet er Museumsgäste im Spannungsfeld von Ausstellungsobjekten und Museumsarchitektur, wodurch neue, überraschende Sichten und Momente entstehen. Dieser Mensch-Objekt-Raum-Bezug bildet den Roten Faden der international entstandenen Fotografien.

Stilistisch bewegt sich die Reihe in der Bandbreite zwischen dokumentarischer und spontaner Fotografie. So lässt die seltene Lichtkonstellation bei „Aphrodite“ in der Glyptothek München Raum und Objekt im wahrsten Sinn des Wortes in einem anderen Licht erscheinen, was die Foto-Komposition dokumentarisch festhält. Zu vertieftem neuen Sehen wird eingeladen, weil das Museumsobjekt durch Perspektive, Licht und Tiefe in andere Zusammenhänge gestellt wird. Distanz schwindet, Nähe und Identifikation werden möglich.

Daneben sind spontane und flüchtige Momente reaktionsschnell festgehalten, etwa in „Paar“ (Museum Barberini, Potsdam) oder „self-space“ (Museum der Moderne, Salzburg). Da scheint der Fotograf dem Besucher zu folgen und findet sich in einem Bild wieder, von dem er vorher keine Ahnung hatte. Nach ein paar Sekunden kann die spannende Konstellation schon unwiederbringlich vorbei sein. Das Motiv löst sich auf.

Manche Betrachter sagen: „So habe ich das noch nie gesehen“, und es fallen einem Paul Klees Worte ein: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“

Fischer erweitert mit dieser Ausstellung das Genre „Street-Photography“ um die „Museums-Fotografie“. Eine Einladung – „… sehr inspiriert, witzig und nachdenklich zugleich“ (Christoph Kürzeder) – zu frischen Perspektiven und ungesehenen Momenten.

Zu sehen vom 3. November bis 22. Dezember täglich von 12 bis 19 Uhr.
Zur Ausstellungseröffnung am Donnerstag, 2. November um 19 Uhr laden wir herzlich ein!

 

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