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| Historie
der Seidlvilla:
Die Geschichte der Schwabinger Seidlvilla beginnt in der Marsstrasse. Dort residierte die Brauerei zum Spaten, die mit einem Bierumsatz von 500.000 Hektolitern eine der grössten Brauereien Deutschlands geworden war. Als einer der Firmeninhaber starb, hinterliess er seiner Frau Franziska ein ansehnliches Vermögen. Die Witwe vermählte sich in zweiter Ehe mit Paul Johann Lautenbacher und liess 1905 eine repräsentative Villa errichten. Als Architekt gewannen die Lautenbachers Emanuel von Seidl (1856 1919), der bereits aus dem Schatten seines älteren Bruders Gabriel herausgetreten war und sich als Architekt einen Namen gemacht hatte. Wir kennen vor allem seine öffentlichen Bauten, z.B. den Augustiner in der Neuhauserstrasse oder das Elefantenhaus in Hellabrunn. Die grossbürgerliche Anlage der Seidlvilla bestand aus herrschaftlichem Wohnhaus mit angefügtem Nebentrakt für Remise, Stall und Kutscherwohnung. Das Anwesen ging in den 1930er Jahren an die Erben über und verlor in den folgenden 50 Jahren wechselnder Nutzung seine ursprüngliche Identität, die erst die jüngste Vergangenheit wieder zu Bewusstsein brachte. Zu Beginn der 1970er Jahre tauchten erste Gerüchte auf, die Villa und die beiden Handwerkerhäuschen an der Ecke Nikolaiplatz sollten abgerissen werden und einem Hotel, Büro oder Kaufhaus weichen. Aus dem Protest der Anwohner entwickelte sich bald das Bürgerkomitee Schwabing und später die Aktion Nikolaiplatz, die für den Erhalt der Idylle fochten. Die Schwabinger entwickelten erste Ideen für eine soziale und kulturelle Nutzung. Um eine Insel für das von Wirtschaft und Tourismus bedrängte Viertel zu erreichen, gründeten die Bürger den Verein Bürgerzentrum Seidlvilla. Mit Aktionen, Unterschriftensammlungen, Eingaben und Bürgerfesten verfolgte der Verein über viele Jahre zäh sein Ziel, trotz erheblicher Widerstände und unterschiedlichster Nutzungsinteressen: so war zuletzt vor der Öffnung des Bürgerhauses ein Polizeirevier in dem mittlerweile von der Stadt erworbenen Gebäude untergebracht. Anfang Juni 1991 eröffnete die
Seidlvilla nach langer, gründlicher Renovierung wieder
ihre Tore. Damit begann ein neues Kapitel in der
Geschichte des Hauses. Ein Neubeginn also nicht nur für
das Haus selbst, sondern vielmehr eine neue Basis für
das Gemeinschaftsleben des Stadtteils. |
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